Sesam, öffne Dich!

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Sesam 1/2001
Sesam 1/2000

   
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Tipps für den Teppichkauf

Haben Sie sich entschlossen, einen echten Orientteppich zu kaufen?
Bevor Sie auf die Suche gehen, denken Sie an Folgendes:
Orientteppiche, die den Zusatz „echt“ führen, müssen zu 100 % handgefertigt sein. Das heißt, der eigentliche Herstellungsprozess des Webens oder Knüpfens muss von Hand ausgeführt worden sein.
Die Materialien, aus denen Orientteppiche gefertigt werden, sind Baumwolle, Wolle und Seide. Bei irreführenden Bezeichnungen wie: Vegetar-Seide, Artificial Silk, Kappseide oder Baumseide, handelt es sich auf keinen Fall um echte Seide, sondern um andere Fasern (Kunststoff, Viskose oder Baumwolle). Sie sind zwar nicht zwingend minderwertig in der Qualität, rechtfertigen jedoch nicht den hohen Preis des Seidenteppichs.


G L O S S A R

Handgewebt umfasst alle Teppiche, die durch das Verbinden von Kett- und Schussfäden von Hand hergestellt werden. Diese Teppiche werden üblicherweise unter dem Begriff „Kelim“ oder „Kilim“ angeboten. Handgewebte Teppich sind zweidimensional.

Handgeknüpft umfasst alle Teppiche, die durch das Umschlingen von Fäden um die „Kette“ hergestellt werden. Durch das Umschlingen (oder auch Knoten) entsteht der „Flor“, dieser kann aus Wolle oder Seide sein, die „Kette“ kann aus Baumwolle, Wolle oder Seide sein. Ein handgeknüpfter Teppich ist dreidimensional.

Die Kette (der Kettfaden) bildet das Rückgrat jeden Teppichs. Die Kettfäden werden auf dem Webstuhl senkrecht (also von oben nach unten) befestigt. Je nach Art oder Herkunft des Teppichs, besteht die Kette aus Baumwolle, Wolle oder Seide. Bei fertigen Teppichen sehen Sie die Kette dann als Fransen.

Der Flor entsteht durch das Umschlingen des Kettfadens mit Fäden in den verschiedensten Farben, die am Ende über die Farbgebung und das Muster des Teppichs entscheiden. Das Umschlingen ergibt den „Knoten“, ein Knoten im eigentlichen Sinn wird nicht gemacht. Geschickte und erfahrene Knüpferinnen erreichen eine hohe Anzahl Knoten. Denn je mehr Knoten der Teppich hat, um so feiner und präziser wird das Muster. Wichtiger jedoch als die Anzahl der Knoten – ein Beleg für die handwerkliche Qualität des Teppichs – ist das für den Flor eingesetzte Material. Nur hochwertige Wolle oder Seide machen einen Spitzenteppich. Ist ein Teppich aus schlechter Wollqualität, ist die Nutzung stark eingeschränkt, egal wie hoch seine Knotenzahl ist. Die Rohstoffe entscheiden auch über die Haltbarkeit und Nutzungsmöglichkeiten des Teppichs. Werden minderwertige Rohstoffe verwendet, hält der Teppich nicht lange und kann nur eingeschränkt benutzt werden. Teppiche aus minderwertiger Wolle halten nicht länger als 10 Jahre. Selbst die Pflege eines Teppichs aus minderwertigen Rohstoffen ist schwieriger, denn Flecken lassen sich kaum oder gar nicht entfernen.


F A Q – Häufig gestellte Fragen

Wie groß muss der Teppich sein ?
Ein Teppich soll einen Raum prägen, ohne aufdringlich zu sein. Deshalb kann man sich daran orientieren, dass er nicht kleiner als 1/3 und nicht größer als 2/3 der Grundfläche des Raumes sein sollte. Selbstverständlich muss die Größe auch auf seine Nutzung abgestimmt werden: Ein Teppich unter dem Esstisch muss deutlich größer als der Tisch sein, damit die Stühle beim Wegrücken nicht von der Teppichkante kippen.

Aus welchem Material sollte der Flor des Teppich sein?
Im Flur, in der Diele, im Ess- oder Wohnzimmer, überall dort, wo der Teppich viel benutzt und strapaziert wird, sollte er auf jeden Fall aus Wolle bzw. Schurwolle sein.
Seide kann man wählen, wenn der Teppich wie ein Bild an die Wand gehängt oder in Räumen eingesetzt werden soll, wo er nicht strapaziert wird, z.B. im Schlaf- oder Gästezimmer. Obwohl Seide eine sehr (!) strapazierfähige Faser ist, ist ihre Pflege problematisch. Denn einmal verschmutzte Seide lässt sich kaum reinigen.

Wie kaufe ich einen Orientteppich?
Klären Sie erst Größe und Material (siehe oben). Erst dann können Sie beginnen, Angebote zu prüfen. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Beobachten Sie den Teppichmarkt in Ihrer Umgebung über einen längeren Zeitraum, z. B. durch Lesen von Zeitungsbeilagen, die Ihnen eine erste Orientierung für die Preise geben.
Machen Sie einen Schaufensterbummel und prüfen Sie auch dort die Preise. Schauen Sie in die „Gelben Seiten“ und vergleichen Sie die Einträge dort mit den Namen der Geschäfte, die Sie besucht haben, und deren Inhabern. Weichen die Namen von einander ab, so ist höchste Vorsicht geboten. Hier können unseriöse Geschäftemacher am Werk sein, die in den Geschäften Räumungsverkäufe vortäuschen, die Ware jedoch zu überhöhten Preisen verkaufen.

Haben Sie Teppiche gefunden, die sie in die engere Wahl ziehen, sollten Sie sie zu Hause ausprobieren. In der Regel können Sie die Teppiche gegen Hinterlegung einer Sicherheit selbst mitnehmen. Oder Sie vereinbaren einen Termin mit dem Händler und er bringt Ihnen die Teppiche vorbei.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr ausgesuchtes Stück auch seinen Preis wert ist, rufen Sie bei der Industrie- und Handelskammer an. Dort nennt man Ihnen einen Sachverständigen in Ihrer Nähe, der gegen eine Gebühr den Teppich auf seinen Wert schätzen kann und Ihnen sagt, ob sich der Kauf eines solchen Teppichs lohnen würde. Gelegentlich kann er auch einen für den Laien verdeckten Makel erkennen, der es Ihnen ermöglicht, den Preis des Teppichs zu drücken.

Wo kaufe ich einen Orientteppich?
Orientteppiche sollten Sie nur in Fachgeschäften, Fachabteilungen von Warenhäusern und Möbelhäusern kaufen. Denn nur dort werden Sie in der Regel gut geschultes Personal finden.

Kaufen Sie keinen Orientteppich an der Haustür. Auch wenn die Geschichte des Verkäufers noch so gut erzählt ist: Sie müssen damit rechnen, dass man Sie betrügen möchte. Seien Sie wachsam und rufen Sie lieber die Polizei.

Im Allgemeinen sollten Sie auf Urlaubsreisen (in die Türkei, Tunesien etc.) auf den Kauf von Teppichen verzichten. Genießen Sie die Atmosphäre und lassen Sie sich anregen für einen Teppichkauf in Ihrer Heimatstadt. In der Regel bezahlen Sie in Urlaubsländern bis zu 70 % mehr als bei Ihrem Teppichhändler. Auf gar keinen Fall sollten Sie hochwertige Teppiche wie Seidenteppiche im Urlaub einkaufen. Es wird sich zu 80 % um Kopien aus China handeln, die im besten Fall nur 10 – 20 % des angebotenen Preises wert sind. Ein teurer Einkauf, selbst wenn Sie mit dem Basarhändler bereits ordentlich gefeilscht haben.

Wie pflege ich meinen Orientteppich?
Saugen Sie Ihren Teppich ruhig vom ersten Tag an. Aber saugen oder kämmen Sie nicht die Fransen! Sie erinnern Sich? Die Fransen sind ein Teil des Rückgrates Ihres neuen Orientteppichs. Fehlen die Fransen, fängt der Teppich an sich aufzulösen.
Drehen Sie Ihren Teppich von Zeit zu Zeit um 180 Grad. Dadurch vermeiden Sie zum einen, dass sich Motten in Ihrem Teppich einnisten. Zum anderen fällt das Tageslicht gleichmäßig auf den Teppich.

Geben Sie Ihren Teppich etwa alle 2 – 3 Jahre in eine spezielle Teppich-Wäscherei. Achtung: Geben Sie den Teppich NIE in eine Teppich-Reinigung. Denn die dort zur Reinigung eingesetzten Chemikalien sind in zweierlei Hinsicht problematisch: Erstens wird der Wolle mit dem Wollfett ihr natürlicher Schutz entzogen, so dass die Faser austrocknet, stumpf wird und abbricht. Zweitens verbleiben die während der Reinigung verwendeten Chemikalien (u. U. krebserregende Chlorkohlenwasserstoffe) in der Wolle und können z. B. spielende Kinder gefährden.

Anders in einer speziellen Teppich-Wäscherei: Hier wird der Teppich nur mit besonderen Seifen und sehr, sehr viel Wasser gewaschen. Im letzten Waschgang werden die Teppiche zusätzlich „rückfettend“ behandelt, indem man Lanolin (Wollfett) beigibt. So bleibt die Faser elastisch. Der Teppich verschmutzt nicht so schnell und behält seine lange Lebensdauer. Damit Sie noch viele Jahre Freude an Ihrem Orientteppich haben.