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Sieben
S für den 21. März
Die Perser feiern ihr Neujahrsfest seit 3.000 Jahren am ersten Tag des
Frühlings, am 21. März. Obwohl es über die Jahrhunderte
immer wieder verboten und auch von den iranischen Fundamentalisten nur
geduldet wurde, sind viele Bräuche bis heute sehr lebendig.
Das Neujahrsfest beginnt mit dem "Fest des Feuers", das bereits
am letzten Dienstagabend vor dem Jahreswechsel stattfindet. Sobald es
dunkel ist, werden überall große Feuer aus Dornengestrüpp
angezündet und alle springen über die Flammen. Das soll reinigend
wirken, sagt die altpersische Religion des Zarathustra. Später an
diesem Abend ziehen Kinder von Haus zu Haus: Sie singen und schlagen so
lange mit Löffeln auf Kochtöpfe, bis sie beschenkt werden. So
sollten auch die reichen Kinder einmal erfahren, wie es ist zu betteln.
Die Mädchen in ihren "Tschadors" kennen eine besonderen
Brauch, den "Falgusch". Die Wortfetzen, die sie an diesem Abend
in ihre weiten Gewänder gehüllt unerkannt aufschnappen, sollen
an diesem Abend eine besondere Bedeutung für das kommende Jahr haben.
Wenn das Now-Ruz-Fest vor der Tür steht, ist das Treiben im Iran
so turbulent wie bei uns an den Tagen vor Weihnachten. In den Häusern
wird Großputz gemacht: Die Frauen tragen die Teppiche, die auch
im ärmsten Haushalt nicht fehlen, ins Freie, um sie zu klopfen und
oft sogar zu waschen. Im Bazar drängen sich die Menschen, denn an
Now-Ruz wird jeder beschenkt. Festtagsessen gehört auch dazu, also
macht der Metzger besonders gute Umsätze, denn feines Lammfleisch
ist Tradition. Genauso gehören viele Süßigkeiten und frisches
Obst zum Fest, und jede Menge Blumen. Zu Hause bauen die Familien den
"Haft-Sin-Tisch" auf. Er ist im Iran so wichtig wie bei uns
der Christbaum. "Haft-Sin" heißt wörtlich übersetzt
"Sieben S", denn sieben Dinge, die alle mit dem Buchstaben "S"
beginnen, gehören zum Neujahrstisch: "Samanu" (ein Brei
aus Weizen-Sprößlingen), "Sepand" (wilde Raute, eine
Gebirgspflanze), "Sib" (Äpfel), "Sir" (Knoblauch),
"Sabsi" (glücksbringende Kräuter), "Somagh"
(ein säuerliches Gewürz) und "Serkeh" (Essig), der
in vormuslimischer Zeit eigentlich Wein war.
Früher wurden zum Beginn des neuen Jahres Kanonenschüsse abgegeben.
Heute sorgen Radio und Fernsehen dafür, daß sich die Familie
rechtzeitig um den Neujahrstisch versammelt. Viele der Jüngeren haben
sich für diesen Augenblick durchs Verkehrschaos gequält, denn
Millionen Perser packen an diesen Tagen ihre Koffer und fahren zu Verwandten.
Wer trotzdem nicht mit seiner Familie feiern kann, ist als Fotografie
auf dem Tisch präsent. Wie übrigens auch die verstorbenen Familienangehörigen
mit ihrem Bild anwesend sind. Man wünscht sich gegenseitig viel Glück,
begleitet von vielen Umarmungen und Küssen. Die Geschenke, je nach
dem Umfang der Geldbörse mehr oder weniger wertvoll, werden ausgetauscht.
Der erste Tag im neuen Jahr ist, im Iran wie bei uns, mit guten Vorsätzen
gepflastert. Danach beginnt wieder der Alltag, bis zum 21. März des
nächsten Jahres.
Wir danken Walter Fischer und der Wiener Zeitung für die Informationen.
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